Korrektur: Kisten voller Liebe: Ausstellung zeigt, wie Care-Pakete Familie und Fürsorge über Ländergrenzen hinweg aufrecht halten
Wie bleiben Menschen miteinander verbunden, wenn sie in unterschiedlichen Ländern leben? Die MKK-Ausstellung „Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit“ im Raum HANS B an der Hansastraße 6-12 zeigt, wie Fürsorge über Ländergrenzen hinweg im Alltag gelebt wird – besonders in Familien mit Migrationserfahrung. Die Ausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte ist noch bis 22. Februar zu sehen.
Durch ein Guckloch an der Seite verrät die riesige Kiste ihren Inhalt: Hier drängen sich Kuscheltier an Keksriegel, liegen Seifenstücke neben cooler Kleidung. Die Ausstellung zeigt Dinge, die Menschen einander schicken oder mitbringen: Geschenke bei Heimatbesuchen oder Pakete mit Kleidung, Lebensmitteln, Parfum oder Süßigkeiten. Für viele Familien gehören diese Gesten zum Alltag. Sie zeigen Zuneigung, Verantwortung und Nähe, auch wenn große Entfernungen dazwischenliegen.
Kuratorin kennt Kisten aus ihrer eigenen Kindheit
„Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit“ macht sichtbar, welche Geschichten hinter den Dingen stehen, welche persönlichen Bedeutungen diese Gegenstände haben. Sie wurde kuratiert von Jessica Rehrmann, Volontärin im Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Für die Ausstellung führte sie mehrere Interviews, angefangen bei ihrer eigenen Familie. Denn durch sie kam Jessica Rehrmann überhaupt auf die Idee für ihre Projektarbeit.
Ihre Mutter Necy kam 1993 von den Philippinen nach Deutschland. Seitdem packt sie einmal im Jahr eine sogenannte Balikbayan-Box. Balikbayan bezeichnet Menschen, die in die Philippinen zurückkehren. Wenn sie aber fern der Heimat bleiben, reisen liebevoll gepackte Boxen sozusagen stellvertretend in die Heimat. Eine Agentur kümmert sich um den Transport, das Ganze ist staatlich gefördert. „Früher habe ich nicht verstanden, warum wir Seife schicken, die gibt es ja auch auf den Philippinen. Aber so zeigt meine Mutter, dass sie noch Teil der Familie ist und etwas zum Haushalt beisteuert, und sie teilt auch die Dinge, die ihre Familie hier gerne kauft“, sagt Rehrmann - Schokoriegel und das pinkfarbene Kuscheltier zum Beispiel.
Konsumprodukte erzählen persönliche Geschichten von Liebe und Fürsorge
Phuong & Richard, Necy & Ina, Gilda und Hassan sind die Protagonisten, die Jessica Rehrmann gefunden und interviewt hat. Sie geben Einblicke in ihre persönlichen Praktiken rund um das Schicken und Mitbringen von Dingen. Wie die Geschichte von Gilda, die vor fünf Jahren aus dem Kongo nach Deutschland kam. Sie packt regelmäßig kleine Entdeckungen aus ihrem neuen Alltag ein: Früchtetee, Hautcremes, Reinigungstücher oder deutsche Spezialitäten wie Kartoffelknödel. Gildas Familie schickt im Gegenzug afrikanische Stoffe oder Früchte.
Schenken als Akt der Verbundenheit und des Verantwortungsgefühls
Hassans Familie ist aus dem Kosovo, er ist in Deutschland aufgewachsen. Das Sammeln von Dingen und Versenden von Paketen an Verwandte kennt er seit seiner Kindheit. Für ihn ist das Schenken ein Akt der Verbundenheit, aber auch des Verantwortungsgefühls. Er sammelt und kauft Kleidung, Haushaltsgegenstände, Süßigkeiten oder Lebensmittel nicht nur für seine Verwandten, sondern auch für andere Menschen aus der Roma-Community.
Phuong und Richard kamen in den 1980er- und 1990er-Jahren aus Vietnam nach Deutschland. Heute sind sie im Ruhestand und leben wieder in Vietnam. Ihre regelmäßigen Besuche in Deutschland verbinden beide Orte, auch durch die Dinge, die sie in ihren Koffern mitbringen.
Die Ausstellung zeigt, wie Fürsorge über Grenzen hinweg gelebt wird. Die Koffer und Kisten in der Ausstellung zeigen weit mehr als Süßigkeiten und Pflegprodukten, es sind Kisten voller Liebe und Fürsorge für die Familie und Freunde.
Kurzinfos:
- Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit - Ausstellung des Museum für Kunst und Kulturgeschichte im Hans B
- Ort: HANS B, Hansastraße 6–12, 44137 Dortmund
- Ausstellungszeitraum: 16. Januar – 22. Februar 2026
- Eintritt: frei
- Die Ausstellung ist geöffnet: Mi, Do 11–20 Uhr sowie Fr, Sa, So 11–18 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung
17. Januar, 14 - 17 Uhr: Storytelling-Workshop „Hast du schon gegessen?“ mit Kim Hà Tran & Michelle Phạm (MKK), Anmeldung: jrehrmann@stadtdo.de
7. Februar, 14 - 18 Uhr: Linol-Postkartenworkshop mit Lisa Fischer und Luis Felipe Düllberg (MKK), Anmeldung: jrehrmann@stadtdo.de
30. Januar, 18 - 20 Uhr: Kurzfilmscreening und Gespräch mit Lizza May David (MKK)
Führungen durch die Ausstellung im HANS B:
- 25. Januar, 14–15 Uhr
- 26. Februar, 18–19 Uhr
- 27. Februar, 18–19 Uhr
Anmeldung: jrehrmann@stadtdo.de
Redaktionshinweis: Wir freuen uns über Terminhinweise und Berichterstattung! Achtung, Terminänderung: Das Kurzfilmscreening wurde vom 12.02. auf den 30. Januar verlegt.
Anhänge
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Jessica Rehrmanns Ausstellungsidee hat eine persönliche Geschichte: Ihre Familie schickt sogenannte Balikbayan-Boxen auf die Philippinen., 185 KB, JPEG Quelle: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann -
Jessica Rehrmann packt selbst persönliche Dinge in die Boxen. , 288 KB, JPEG Quelle: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann -
Phuong und Richard leben nach vielen Jahren in Deutschland wieder in Vietnam, bei ihren Besuchen reisen viele Dinge der Erinnerung in Koffern mit. , 257 KB, JPEG Quelle: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann -
Die Kuratorin der Ausstellung Jessica Rehrmann (Volontärin im MKK) mit Dr. Christan Walda, kommissarischer Leiter des MKK., 222 KB, JPEG Quelle: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann